Von Stoikern lernen

Von Stoikern lernen bedeutet, die Lehren der Stoa im Alltag praktisch zu berücksichtigen. Diese ist eine der wirkungsstärksten philosophischen Lehren. Die Stoa wurde von Zenon von Kition ca. 300 v. Chr. begründet. Der Name Stoa geht auf eine Säulenhalle (Stoa) der Agora, dem Marktplatz von Athen zurück. Auf diesem Marktplatz lehrte Zenon von Kition.

Ein besonderes Merkmal der stoischen Philosophie ist die ganzheitliche Sicht der Welt. Denn für Stoiker gilt ein universelles auf Ganzheitlichkeit ausgerichtetes Prinzip. zurückführen. Und für Stoiker gilt es, den Platz in dieser Ordnung zu erkennen und auszufüllen. Durch emotionale Selbstbeherrschung und Gelassenheit führt dies zu Seelenruhe und Weisheit. 

Dabei steckt der antike Stoizismus für Sie voller praktischer Weisheiten. Diese können Ihnen helfen, mit den Herausforderungen des Lebens aktiv und tatkräftig umzugehen. 

Achtung Vorurteile

Denn die Stoiker sagen, dass sich die Menschen gerne für klüger halten, als sie sind. Nach ihrer Sicht liegt der Schlüssel zu einem lebenslangen Lernen darin, bescheiden zu bleiben. Und die Fehler im eigenen Denken zu erkennen. Wer seine eigenen Vorurteile erkennt, sieht die Welt also klarer und unvoreingenommener.

Daher gilt der Tipp, das eigene Denken auf mögliche Vorurteile zu untersuchen. Der kanadische Bestsellerautor Malcolm Gladwell formuliert in seinem Buch Blink die folgende Ansicht. Wir sind in der Lage, innerhalb von Sekundenbruchteilen Entscheidungen zu treffen. Diese Fähigkeit hat aber auch eine Kehrseite. Denn die blitzschnellen Entscheidungen tendieren dazu, unsere bereits bestehenden Überzeugungen zu verfestigen. Kennen Sie das? Sie lesen in einem Buch auch immer nur das, was Sie lesen möchten. Das ist eine positive Verstärkung Ihrer bereits vorhandenen Sichtweise. Möglicherweise auch Ihrer Vorurteile. 

Situative Besonnenheit

Nehmen Sie sich also die Zeit Ihr „Bauchgefühl“ zu hinterfragen. Wie kommt dieser spontane Impuls zustande? Kann es sein, dass die Situation doch anders ist, als Sie diese einschätzen. Haben Sie möglicherweise etwas übersehen? Diese situative Besonnenheit bringt kann Sie vor möglichen Fehleinschätzungen bewahren.

Vom römischen Kaiser Mark Aurel ist überliefert, dass er seine Zuhörer ermunterte zwischen Ursache und Wirkung ihrer Gedanken und Handlungen zu unterscheiden. So sollten sie erkennen, welche ungünstigen Entscheidungen auf welche unreflektierten Vorurteile zurückgingen.

Samurai Miyamoto Musashi 

Es gibt noch eine weitere empfehlenswerte Vorgehensweise, um mögliche Fehler im eigenen Denken zu entdecken. Sie kennen die menschliche Eigenart, sofort zu bewerten, was man sieht. Der japanische Samurai Miyamoto Musashi war im frühen 17. Jahrhundert nicht nur Begründer einer bedeutenden Schwertkampfschule, sondern auch Autor wichtiger Lebensweisheiten. Musashi empfahl seinen Schülern zwischen Beobachtung und Wahrnehmung zu unterscheiden.

Er sagt, dass das Auge, das beobachtet, schwächer ist als das Auge, das wahrnimmt. Es sieht die Dinge aber so, wie sie wirklich sind. Das wahrnehmende Auge misst den Dingen hingegen augenblicklich Bedeutung bei. Doch diese ist fast immer durch vorgefertigte Überzeugungen getrübt. Das führt laut Musashi zu Konflikten, wo keine sein müssen. Auch diese Gedanken knüpfen an die Lehre der Stoa an.

Wenn Sie die Empfehlungen beherzigen, dann entsteht eine Entscheidungsklarheit, die Ihnen dabei hilft souveräner zu entscheiden und zu handeln.    

Autor:

Dr. Matthias Hettl ist bekannt als internationaler Managementberater. Er trainiert und coacht Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte. Zudem vertrat er eine Professur für Management und verfügt über langjährige Führungsexpertise. Erfahrung hat er als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Management- und Führungsexperte ist er ein gefragter Speaker.

Mehr Informationen unter:   Hettl Consult