Resilient sein Hettl

Resilient sein als Führungskraft

Autor: Hettl Consult
4. Januar 2017

Resilient sein als Führungskraft

Resilient sein als Führungskraft. Wie sind Ihre Stehaufmännchen-Qualitäten ausgeprägt? Darum geht es im Kern bei der Resilienz. Als Leader stehen Sie persönlich vor schwierigen Herausforderungen, erleben Stress und Krisen. Wie Sie mit diesen umgehen und wie Sie sie meistern, beschreibt im Kern Ihre Resilienz, also Ihre seelische Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, wie Sie sich selbst wieder ins innere Gleichgewicht bringen und es auch halten. Der Begriff Resilienz stammt vom lateinischen Wort „resilire“, was so viel wie „abprallen“ bedeutet. Wie gut prallen Ereignisse von Ihnen ab, die eher unerfreulich sind, und wie schnell finden Sie wieder auf Ihren ursprünglichen Erfolgsweg zurück? Als besonders resilient gilt, wenn Sie es schaffen, an den Enttäuschungen und Schwierigkeiten zu wachsen und zu reifen.

Kauai-Studie – Geburtsstunde der Resilienz

Eine der bedeutendsten Untersuchungen zum Thema Resilienz war die „Kauai“-Studie auf Hawaii. Über einen Zeitraum von 40 Jahren, bis in die 1990er-Jahre hinein, beobachtete die Entwicklungspsychologin Emmy Werner 700 Kinder aus schwierigen Lebensverhältnissen. Ein Drittel der Probanden verkraftete die widrigen Umstände gut und wuchs in stabile Lebens- und Familienverhältnisse hinein. Das Ergebnis stellte die Lehre von der frühkindlichen Prägung auf den Kopf. Aus den Befunden lässt sich schließen, dass sogenannte „protektive Schutzfaktoren“ existieren, die die Wirkung von Risikofaktoren beeinflussen.

Ihre mentale Verfassung

Wenn Sie Ihre mentale Verfassung stärken, werden Sie sich dieser Fähigkeiten bewusst und setzen sie gezielt ein. Ihre Resilienz steigt, wenn Sie ein  kontaktfreudiges Temperament auszeichnet, denn dann treten Sie Ihren Mitarbeitern optimistisch, durchsetzungsfähig und seelisch ausgeglichen gegenüber. Sie akzeptieren Krisen, sind aber der festen Überzeugung, dass sich die Dinge wieder zum Besseren wenden werden. Es geht darum, dass Sie erkennen, wo Sie ansetzen können, um wieder handlungsfähig zu werden. Psychisch widerstandsfähig zu sein, bedeutet nicht, dass Sie Schwierigkeiten oder Kummer ignorieren, sondern sich bewusst mit Ihren Niederlagen auseinanderzusetzen und dies als Voraussetzung für einen konstruktiven Neustart zu sehen.

Wichtig ist, dass Sie nach einer Krise oder Niederlage wieder aktiv werden und einen anderen Blickwinkel einnehmen. Manche Fähigkeiten der Resilienz sind wahrscheinlich in Ihrer Persönlichkeit bereits gut verankert, andere wiederum könnten noch ausgebaut, vertieft oder neu gefunden werden. Als resilienter Leader gehen Sie den Gründen nach, gelangen zu Erkenntnissen und fokussieren sich zielorientiert auf die gefundenen Lösungsmöglichkeiten.

Sieben Bereich der Resilienz

Der Resilienzfaktor beschreibt das Geheimnis Ihrer inneren Stärke in sieben Bereichen. Diese aufeinander bezogenen und voneinander abhängigen Faktoren sind entscheidend für Ihre individuelle Krisenfestigkeit: Optimismus, Akzeptanz und Zielorientierung, die Fähigkeit, die Opferrolle zu verlassen, Verantwortung zu übernehmen, Netzwerke zu nutzen und nicht zuletzt Ihre Zukunftsplanung sehr konkret in die Hand zu nehmen.

Eine optimistische Lebenseinstellung ist das wichtigste Merkmal der Resilienz. Sind Sie optimistisch, dann gehen Sie davon aus, dass alle „Krisen“ zeitlich begrenzt sind und Ihnen, perspektivisch gesehen, eher etwas Gutes als Schlechtes bringen werden. Als Optimist erkennen Sie die Realität an, gehen aber davon aus, dass negative Ereignisse grundsätzlich eine befristete Angelegenheit sind, auf deren Verlauf Sie Einfluss haben. Wenn Ihre Gefühle nach einem schweren Rückschlag abflauen, wird es Zeit für eine nüchterne Bestandsaufnahme. Ihre Fähigkeit zur Akzeptanz ist für die Verarbeitung von Krisen eine unbedingte Voraussetzung. Erst nachdem Sie die Tatsachen als solche akzeptiert haben, besteht auch eine Chance, die nächsten Schritte aktiv anzugehen.

Umgang mit Schicksalsschlägen

Schicksalsschläge sind nicht zu beeinflussen. Die Konsequenzen, die Sie daraus ziehen, liegen jedoch bei Ihnen selbst. Sie sollten sich fragen, welche potenziellen Lösungen es für den Konflikt gibt und wie Sie die Situation wieder unter Kontrolle bekommen. Auch als resilienter Leader sind Sie nicht vor der Opferrolle gefeit. Nach einer gewissen Zeit gelingt es Ihnen jedoch, anders über die Situation zu denken. Wenn Sie das Gefühl haben, wieder selbst am Ruder zu stehen, setzen Sie sich mit der Situation auseinander und denken in die Zukunft.

7 Säulen der Resilienz

Wenn Sie den eigenen Anteil an der Krise realistisch einschätzen und zugleich analysieren, welche äußeren Umstände zu den Problemen geführt haben, werden Sie schneller wieder aktiv. Sie übernehmen Verantwortung für das eigene Tun und Handeln und tragen auch die Konsequenzen. Das stärkt Sie in Ihrem Selbstbewusstsein. Eine weitere Säule der Resilienz beschreibt Ihre Bereitschaft, sich ein stabiles Netzwerk aufzubauen, das Ihnen in schwierigen Situationen effektiv weiterhilft. Vieles können Sie leichter ertragen, wenn Sie wissen, dass Sie ein Beziehungsnetzwerk haben, das Sie in diesem Fall nutzen und auf das Sie sich verlassen können. Um schließlich eine solide und tragfähige Zukunft planen zu können, benötigen Sie Alternativen und Visionen. Mit diesen Optionen erhalten Sie Ihre Flexibilität der eigenen Handlungsfähigkeit. Eine durchdachte und möglichst gut ausgestaltete Planung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Zukunft weitestgehend plan- und auch beherrschbar bleibt.

Nur das Zusammenspiel aller sieben Säulen der Resilienz unter- und miteinander stärkt Ihre persönliche Kompetenz. Das Leistungsvermögen Ihrer eigenen Persönlichkeit ist ein wichtiger Faktor Ihrer Führungsarbeit und Ihrer Führungseffektivität. Wie oft stehen Sie in Ihrer Führungsposition vor augenscheinlich unlösbaren Situationen und/oder Problemen?

Der Ausbau Ihrer persönlichen Resilienz bedarf der Kontinuität. Resilienz kann man nicht einfach einschalten wie einen Motor, denn die Persönlichkeitsentwicklung ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und Ausdauer benötigt. Ihre persönliche Resilienz wird Ihnen die Widerstandskraft geben, die Sie brauchen, um die Herausforderungen in Ihrer individuellen Führungssituation zu bewältigen.

Checkliste: Resilienz

Um Ihren resilienten Umgang mit Führungssituationen zu verbessern, stellen Sie sich die folgenden Fragen und formulieren Sie Ihre Antworten darauf schriftlich. Durch schriftliche Formulierung wird sich Ihr emotionales und physisches Wohlbefinden deutlich verbessern  (vgl. Margolis/Stoltz, 2010, S. 28 ff):

  • Was genau ist passiert und welche Konsequenzen ergeben sich für mich konkret?
  • Welche Aspekte der Situation kann ich direkt beeinflussen, um der Krise eine positive Wendung zu geben?
  • Was würde der Manager, den ich am meisten bewundere, in dieser Situation tun?
  • Wer kennt wen, wen kann ich ansprechen und wer hat wohin Verbindungen?
  • Wie kann ich andere Kollegen oder Mitarbeiter mobilisieren, die momentan noch zu zögerlich sind?
  • Was kann ich tun, um die Situation sofort möglichst positiv zu beeinflussen?
  • Wie kann ich die potenziellen Nachteile dieser Situation reduzieren – und wenn auch nur um zehn Prozent? Was kann ich tun, um die potentiellen Vorteile der Situation zu maximieren und wenn auch nur zu zehn Prozent?
  • Was kann ich in den nächsten fünf Minuten oder heute tun, um mich in die richtige Richtung zu bewegen?

Welche Handlungsoptionen ergeben sich für Sie und welchen Aktionsplan können Sie aufstellen?

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist als international bekannter Managementberater, Trainer und Coach für Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte tätig. Er vertrat eine Professur für Management, verfügt über langjährige Führungserfahrung, u. a. als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Speaker ist er ein gefragter Management- und Führungsexperte.

Mehr Informationen unter: Hettl Consult

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