10.000 Stunden Regel Hettl

10.000 Stunden Regel

Autor: Hettl Consult
23. November 2017

10.000 Stunden Regel

10.000 Stunden Regel: Alle Menschen, die im Leben Erfolg haben, ist eines gemein. Sie begeben sich auf die Reise ihres Lebens und entwickeln ihre Persönlichkeit. Dabei wachsen und begreifen sie, dass sie selbst dieses Wachstum in Gang setzen müssen. Somit schaffen sie sich für ihr eigenes Wachstum die passenden Bedingungen. Dies ist ein aktiver Prozess des „trial and error“, des Versuchs und Irrtums und ziehen Schlussfolgerungen daraus.

Individualität – Charakter – Temperament

Die Basis hierfür sind die eigene Individualität, der individuelle Charakter und das persönliche Temperament. Diese bewusste Persönlichkeitsentwicklung ist eine innere Einstellung. Der Mindset den Sie haben entscheidet darüber, wie weit Sie bei Ihrer persönlichen Entwicklung kommen. Persönlichkeitsentwicklung hat dabei nur ein Ziel und das ist der Weg als solches.

Die Voraussetzungen diesen Weg zu beschreiten erfordert eine gewisse persönliche Einstellung. Beispielsweise wie aufgeschlossen ist ein Mensch gegenüber Neuem, wie eigenverantwortlich lebt er, wie offen ist er gegenüber Veränderung, wie hartnäckig verfolgt er seine Ziele, blickt er auf Herausforderungen eher lösungs- als oder problemorientiert, wie bereit ist er Fehler zu machen und zu Lernen, wie ist sein eigenes Selbstbild und wie ist die Bereitschaft für lebenslanges Lernen ausgeprägt.

Kompetitives Umfeld

Dieses Lernen, die Persönlichkeitsentwicklung passiert in einem kompetitiven Umfeld.  Denn wir leben in einer wettbewerbsorientierten Gesellschaft. Die Regel lautet, „the winner takes it all“, der Gewinner erhält alles. Eine Strategie, wie Sie sich zum Gewinner entwickeln können ist die 10.000 Stunden Regel.

10.000 Stunden Regel

Die 10.000-Stunden-Regel wurde erstmals im Buch The Road to Excellence von dem schwedischen Psychologen K. Anders Ericsson erwähnt und durch den Bestsellerautor Malcom Gladwell weltweit bekannt gemacht.

Ericsson beschreibt in dem Buch, bei dem es sich um eine Sammlung von wissenschaftlichen Artikel zum Thema Exzellenz handelt, was für einen Bedeutung die 10.000 Stunden Regel hat. Hierbei hat er die folgenden Disziplinen untersucht:

  • Schach
  • Sport (Golf, Eiskunstlauf)
  • Musizieren
  • Ärztliche Tätigkeit
  • Lesen
  • Künstlerische Fertigkeit

In den Medien werden die Analysen von Ericsson meist verkürzt dargestellt und es wird behauptet, dass man sich nur 10.000 Stunden lang mit einer Sache beschäftigen muss, um wirklich gut darin zu werden. Ericsson hat das jedoch so nicht formuliert.

Bewusstes Üben (deliberate practise)

Ericsson hatte nicht geschlussfolgert, dass man sich nur 10.000 Stunden lang mit einer Sache beschäftigen muss, um exzellent zu werden. Er nannte immer den Begriff „deliberate practise“, was auf Deutsch übersetzt „bewusstes Üben“ entspricht.

Zudem ist es nicht so, dass sich nach 10.000 Stunden üben, plötzlich von einem Tag zum anderen, der Expertenstatus einstellt. Vielmehr ist es ein Prozess. Auch hier gilt, der Weg ist das Ziel, jedoch erst nach 10.000 Stunden.

Mal dauert es länger und mal kürzer

Wichtig zu wissen ist, dass das Tempo, in dem sich die entsprechenden individuellen Fähigkeiten entwickeln, von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Deshalb spielt auch die individuelle Anlage jedes einzelnen, das individuelle Talent, eine Rolle. Daher erreichen manche Menschen, die Schwelle der 10.000 Stunden früher als andere. Dies ist ein Prozess in Form von kleinen Schritten. Einige entwickeln sich da schneller als andere. Die 10.000 Stunden sind also nur ein gewisser Richtwert zu sehen.

10.000 Stunden ist altersabhängig

Zudem hat Ericsson herausgefunden, dass die Möglichkeit, sich zu verbessern, vom individuellen Lebensalter abhängt. Die Altersabhängigkeit beruht nach seiner Einschätzung hauptsächlich darauf, dass die untersuchten Experten mit zunehmendem Alter immer weniger dazu in der Lage waren, entsprechend ausreichend zu trainieren. Die Gründe hierfür waren vielschichtig. Diese waren nicht allein körperlicher Natur. Sondern bei den Experten haben sich die Lebensprioritäten verschoben, weil diese bspw. Familien gegründeten.

10.000 Stunden Regel in der Praxis

Wenn Sie ausrechnen was 10.000 Stunden in Tagen bedeutet kommen Sie auf  genau 416 Tage. 24 Stunden am Tag zu trainieren, das ist selbstredend nicht möglich. Daher ist nach Ericsson eine realistische Größe 4 – 5 Stunden Übung pro Tag. Denn über diese Anzahl an Stunden pro Tag hinaus, ergibt sich keine signifikante Verbesserung der Leistung. Pausen und Erholungsphasen sind aus seiner Sich dabei ziemlich wichtig. Wenn Sie 4 Stunden tägliche Üben und einen Ruhetag pro Woche einrechnen, kommen Sie bei 10.000 Stunden schon auf knapp 7 Jahre.

Entwicklung geht weiter

Die individuelle Entwicklung ist jedoch nach 10.000 Stunden noch nicht abgeschlossen. Erstens können Sie sich auch nach 10.000 Stunden Übung noch weiter steigern und zweitens ist es zudem wichtig, das Sie Ihre Übung fortsetzen weiter üben, um Ihr Niveau zu halten und dass Sie das Gelernte nicht wieder einbüßen.

10.000 Stunden – keine Garantie

Im Sport zeigte sich, dass bewusstes 10.000 Stunden Üben zwar eine notwendige Voraussetzung ist aber keine 100%ige Sicherheit für großen Erfolg garantiert. Preise, Titel und Pokale lassen sich nicht erzwingen, denn nicht jeder hat die Anlage zu einem Experten, zu einem Champion.

Schlüsselrolle erfüllen Trainer und Mentoren

Nach Ericsson besteht die Herausforderung darin, herauszufinden, wie und was man genau trainieren bzw. üben muss, um sich überhaupt zu verbessern. Da ist bewusstes Üben eine eigene Disziplin an sich. Denn es geht einerseits darum, sich auf Ziele und die dafür nötigen Schritte zu konzentrieren, also planvoll vorzugehen. Anderseits und das ist ein wichtiger Schlüssel, sich auf dem Weg dorthin, gezieltes  Feedback geben zu lassen. Schon Kenneth Blanchard folgerte: Feedback ist das Frühstück für Champions.

Einfach „drauf los zu Üben“ ist also nicht „bewusstes Üben“. Nur „bewusstes Üben“ macht Sinn. Dabei sind Coaches, Mentoren und Trainer ziemlich wichtig. Ericsson beschreibt Coaching als einen erfolgskritischen Faktor bei der 10.000 Stunden Regel.

Experten sind fokussiert

Wenn Sie sehr gut in einer Disziplin werden möchten, wenn Sie ein Experte werden möchten, dann müssen Sie sich voll und ganz darauf konzentrieren. Sie brauchen einen klaren Fokus. Daher ergibt sich schon der limitierende Faktor, dass Sie nicht in 100 Disziplinen Experte werden können. Außerdem werden die Steigerungen mit zunehmendem Fortschritt immer geringer. Da bedarf es auch einem nötigen Durchhaltevermögen, um beim Üben immer dran zu bleiben und die 10.000 Stunden nicht aus dem Auge zu verlieren.

10.000 Stunden Regel –  biologische Grundlage

Nach Ericsson passiert etwas mit unserem Gehirn, wenn wir dauerhaft üben. Was dabei genau mit unserer Hardware passiert beschreibt Daniel Coyle in seinem Buch „The Talent Code“. Er stellt den Lernprozess so dar, dass das Lernen die Schaltkreise im Gehirn optimiert. Dies erfolgt dadurch, dass häufig benutzte Nervenbahnen, immer wieder mit dem Protein Myelin überzogen werden. Hierdurch erhöht sich die Übertragungsgeschwindigkeit der Nervenbahn drastisch. Dieser Prozess ist relativ langwierig, daher auch das andauernde üben und trainieren.

Erkenntnisse von David Hambrick

Der Psychologie-Professor David Hambrick von der Michigan State Universität hat mit mehreren Kollegen ebenfalls die 10.000 Stunden Regel untersucht. Dabei analysierte er die Aussagen von 14 Studien zum Thema.  Darunter waren Meister der Musik oder auch Schachspieler auf Weltklasseniveau. Einige erreichten schon nach etwa 7.500 Stunden Übung die Meisterschaft. Bei mehr als 20 Prozent der Spitzenspieler war dies bereits nach 5.000 Stunden erreicht.

10.000 Stunden und mehr

Zudem gab es auch eine größere Gruppe von Untersuchungsteilnehmern, die trotz mehr als 10.000 Stunden immer noch im Mittelmaß verharrten. Sie schlussfolgerten daraus, dass manche Individuen weit weniger Übung brauchten, um dauerhaft Spitzenleistung zu erreichen und andere deutlich länger dafür brauchten. Die Schlussfolgerung von Hambrick war, dass Übung nicht immer den Meister macht.

Daher ist neben Disziplin und  Ausdauer eben auch das Talent, das in die Wiege gelegt wird, ein relevanter Faktor. Hambrick rät, sich bei seinen Fähigkeiten und Chancen, trotz aller Ausdauer, realistisch einzuschätzen, da man sich sonst in die falsche Richtung entwickelt.

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist als international bekannter Managementberater, Trainer und Coach für Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte tätig. Er vertrat eine Professur für Management, verfügt über langjährige Führungserfahrung, u. a. als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Speaker ist er ein gefragter Management- und Führungsexperte.

Mehr Informationen unter: Hettl Consult

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