Hackordnung vs Superchicken

Hackordnung vs Superchicken – Im Büro kommt es durchaus vor, dass Sie sich fühlen wie im Hühnerstall. Sie müssen als Neuling erst mal einen passenden Platz in der allgemein bekannten Hackordnung zu finden. Dann ist es wichtig, dass Sie diese Position, insbesondere gegen die aufstrebenden Junghähne verteidigen und nicht in der Hackordnung nach unten rutschen.

Flache Hierarchien fördern Hackordnung

Insbesondere in Unternehmen mit flachen Hierarchien ist die Hackordnung deutlich präsent. Es gilt weniger formale Regeln, Hierarchiemacht oder abgeschottete Büros, die per se davor schützen nicht in die Schusslinie zu kommen. Welche Position Sie haben entscheidet das Prinzip der Hackordnung, ganz wie im Hühnerstall.

Geheimnisse der Hackordnung

Das Prinzip der Hackordnung lässt sich auch im Büro kaum vermeiden. Sie bildet sich ganz von allein, ohne dass es Ihnen auch nur bewusst wird. Bereits die Art, wie Sie an Ihrem ersten Arbeitstag durch die Tür kommen und den Raum betreten, hat Einfluss darauf, ob Sie eher oben oder eher unten eingeordnet werden. Tendenziell starten Neulinge aber eher unten – im Büro wie im Hühnerstall. Erst allmählich steigen Sie auf der Hühnerleiter auf oder auch nicht.

Offizielle Hierarchie vs Hackordnung

Die Hackordnung können Sie nicht mit der offiziellen Hierarchie gleichsetzen. So gibt es Vorgesetzte, die den ganzen Tag lang „gackern“, aber nicht viel zu melden haben,  Ganz im Gegensatz dazu die alteingesessenen und kampferprobten Bürohühner. Allerdings ist die Hackordnung nicht starr und unterliegt Änderungen. Jeder kann sie umwerfen, er muss sich nur gegen einen ranghöheren Kollegen durchsetzen. Gegen dessen erklärten Widerstand, versteht sich.

Junghahn vs Althenne

Der Blick in den Hühnerhof zeigt wie es die Junghähne machen. Das ähnelt sehr dem Bürogeschehen. So muss sich der Nachwuchshahn erst mal mit den Althennen auseinandersetzen, bevor er die Spitzenposition erklimmt. Immer wieder stellt er die Althennen zum Kampf. Einige Hennen kapitulieren sofort, auch wenn sie dem kleinen Hahn körperlich überlegen sind. Andere lassen sich auf den Kampf ein und geben dem übermotivierten und überambitionierten Junghahn ordentlich Saures aufs Federkleid.

Machtkampf entschieden

Doch der lässt sich davon nicht lange beeindrucken. Er sucht immer wieder den Machtkampf und legt körperlich auch von der Statur zu. Irgendwann gibt auch die stärkste Henne auf. Ist einer Ihrer Kollege charakterlich ähnlich strukturiert, so haben Sie die folgende Wahl: Überlassen Sie ihm die Position 1 oder werfen Sie ihn raus. In beiden Fällen haben Sie sofort wieder Ruhe.

Hühner müssen bekanntlich Eier legen und dabei zählt das Ergebnis. Das ist bei den Legehennen nicht anders als in vielen Unternehmen. Diejenigen mit den besten Zahlen sind manchmal nicht die angenehmsten Kollegen. Es gibt da nicht nur „Nachwuchshähne“, die für Stress sorgen, sondern auch andere Bürokollegen die das Betriebsklima belasten. Wenn das auch noch Leistungsträger sind wird das Ganze schwierig.

In der Hühnerzucht kann man die Minderleister-Hühner aussortieren. Dann dürfen sich nur die leistungsstärksten Hennen fortpflanzen. Im Unternehmen  dagegen erhalten die bissigen und verhaltensauffälligen Leistungsträger ein Coaching zur Verbesserung deren Softskills.

William Muir’s Experiment

Hier hat der Evolutionsbiologe William Muir ein interessantes Experiment durchgeführt. Er wollte die Produktivität von Hühnern erforschen. Über sechs Generationen hinweg ließ Muir dabei eine Hühnerherde alleine. In einer anderen Herde züchtete er nur die produktivsten Hühner also diejenigen, die die meisten Eier legten.

Die Hoffnung war, indem er nur die produktivsten Hühner aus jeder Generation seiner „Super-Herde“ auswählte, hoffte Muir, „Super-Produktivität“ zu erreichen, vor allem im Vergleich zu der normalen Herde.

Superchicken

Nach sechs Generationen ging es der normalen Herde jedoch ganz gut. Die Hühner waren gesund und ihre Produktivität florierte. Seine Superchicken hatte sich dagegen auf nur drei Hühner reduziert. Die drei Top-Hühner hatten den Rest der Herde zu Tode gepickt und somit ihre individuelle Produktivität nur durch Unterdrückung und das buchstäbliche Auslöschen der Produktivität der restlichen Herde erreicht.

Die Hennen in der ersten Gruppe lebten nicht nur länger, sie legten auch insgesamt zwei einhalbmal so viel Eier. Also waren sie deutlich produktiver. Außerdem hatten sie ihr äußeres Erscheinungsbild verändert: Aus den zerzausten, gestressten Legemaschinen waren rundliche, gemütliche Hühner geworden.

Das lässt den Schluss zu, dass bei der Mitarbeiterführung mehr Bedingungen geschaffen werden, in denen jeder seine Gedanken einbringen und mit anderen teilen kann. Bleibt noch zu erwähnen, die Sache mit der Hackordnung, die haben auch die dicken Hühner niemals aufgegeben.

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist bekannt als internationaler Managementberater. Er trainiert und coacht Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte. Zudem vertrat er eine Professur für Management und verfügt über langjährige Führungsexpertise. Erfahrung hat er als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Management- und Führungsexperte ist er ein gefragter Speaker.

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