Parkinson Paradox

Parkinson Paradox ist auf Cyril Northcote Parkinson, einen englischer Soziologe zurückzuführen. Er untersuchte 1957 die Entwicklung des Britischen Marineministeriums. Dessen Aufgabe war es, das gesamte britische Empire zu verwalten.

Nicht weniger, sondern mehr Mitarbeiter

Dabei stellt er etwas Interessantes fest. Nach dem Zerfall des britischen Empires reduzierte sich die Mitarbeiterzahl des Ministeriums nicht. Ganz im Gegenteil. Sie erhöhte sich sogar. Daraus schloss Parkinson, dass die Mitarbeiterzahl von Organisationen nur bedingt mit dem Arbeitsvolumen korreliert. Er folgerte, das Organisationen dazu neigen, sich selbst zu beschäftigen.

Parkinson ermittelte verschiedene Ursachen für das Parkinson Paradox. Erstens folgerte er, dass die Zeit, die für eine Aufgabe benötigt wird, prinzipiell von der zur Verfügung gestellten Zeit abhängt. Das heißt, je mehr Zeit zur Verfügung steht, desto mehr Zeit wird auch gebraucht. Die zur Verfügung stehende Zeit wird also komplett genutzt beziehungsweise verbraucht.

Die Rentnerin und der Brief

Diese Erkenntnis stellte Parkinson am Beispiel einer Rentnerin dar. Diese benötigt einen halben Tag dafür, ihrem Enkel einen Geburtstagsgruß zu schreiben. Zunächst geht sie in ein Schreibwarengeschäft. Dort verbringt sie eine halbe Stunde mit dem Auswählen der Karte. Dann überlegt sie sich zuhause stundenlang nette Formulierungen. Anschließend geht sie zum Postamt. Dort sichtet sie zunächst alle Sondermarken. Dann gibt sie endlich die Karte auf. Ein vielbeschäftigter  Manager erledigt die gleiche Aufgabe in drei Minuten.

Planung eines Kraftwerks

Zweitens schloss er, wenn Menschen bei etwas mitreden dürfen, dann tun sie dies auch ausgiebig. Insbesondere bei Kleinigkeiten. Parkinson nennt hierfür folgendes Beispiel: Beim Bau eines Kraftwerks kann es vorkommen, dass bei Planungssitzungen das Thema „Wie soll das Kraftwerk konzipiert sein“ schnell abgehakt ist. Warum ist das so. Die anwesenden Manager und Politiker haben wenig Fachwissen. Daher bringen sie sich dort ein, wo sie mitreden können. Sie debattieren stundenlang darüber, welche Farbe für die Abstellhäuschen der Fahrräder der Mitarbeiter passt. gestrichen werden sollten.

Zuviel Zeit auf die falschen Aufgaben 

Die dritte Erkenntnis ist, Zeit wird darauf investiert, auf das was andere wahrnehmen bzw. diese belohnen oder sanktionieren. Üben Führungskräfte eine starken Kontrolle aus, dann verwenden Mitarbeitern relativ viel Zeit und Energie für Controlling- und Dokumentationsaufgaben. Relativ wenig Zeit und Energie investieren sie hingegen auf die Erfüllung ihrer eigentlichen Aufgaben.

Mehr Mitarbeiter – mehr Macht

Viertens erkannte er, dass Macht, Prestige und Anerkennung oft an die Mitarbeiterzahl gekoppelt ist. In den meisten Unternehmen bestimmt sich die Bedeutung einer Führungsposition meist über die Zahl der Personen, die eine Führungskraft führt. Also sind viele Führungskräfte bestrebt, ihre Mitarbeiterzahl zu erhöhen. Selten geben Führungskräfte freiwillig Personal ab, denn dies würde als Verlust von Macht und Einfluss erlebt.

Karrierewunsch vs Möglichkeiten 

Der Karrierewunsch von Nachwuchskräften schafft vielfach neue künstliche Bedarfe. In den meisten Unternehmen gibt es mehr Nachwuchskräfte, die nach einer Führungsposition streben als durch die Fluktuation von Führungskräften und Wachstum des Unternehmens entsprechende Positionen vakant werden. Also suchen die Nachwuchsführungskräfte neue Tätigkeitsfelder, die das Schaffen zusätzlicher Führungspositionen und das Einstellen neuer Mitarbeiter rechtfertigen.

Handlungsempfehlungen

Folgende Handlungsempfehlungen können Sie aus dem Parkinson Paradox schlussfolgern.

  • Achten Sie darauf, dass sich Vergütung, Karriere und Prestige in Ihrem Unternehmen nicht an der Zahl der Mitarbeiter orientiert. Fördern Sie auch Projekt- und Expertenlaufbahnen. 
  • Fragen Sie sich, welche unbewussten Signale Sie an Mitarbeiter senden als Führungskraft. Was ist wirklich wichtig? Wenn Sie zum Beispiel viel Wert auf erstklassig gestaltete PowerPoint-Präsentationen legen, könnten Sie unbewusst Ihre Mitarbeitern dazu motivieren vor Sitzungen tagelang nur noch Folien zu „pimpen“.
  • Führen Sie regelmäßig Wokshops zur Analyse der Geschäftsprozess und zu deren Optimierungen durch. Jede Organisation neigt dazu „Speck“ anzusetzen. Deshalb jedes Jahr einen „Diät Workshop“ durchführen.
  • Reduzieren Sie für bestimmte Aufgaben „scheinbar willkürlich“ die zur Verfügung stehenden Ressourcen. „Zwingen“ Sie Ihre Mitarbeiter, sich so zu organisieren, dass sie mit den verbleibenden Ressourcen auskommen. Oft entstehen so effizienzsteigernde Ideen. Und wenn Ihre Kürzungen sich als übertrieben erweisen? Dann können Sie ja wieder Ressourcen freigeben.

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist als international bekannter Managementberater, Trainer und Coach für Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte tätig. Er vertrat eine Professur für Management, verfügt über langjährige Führungserfahrung, u. a. als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Speaker ist er ein gefragter Management- und Führungsexperte.

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