Mutig handeln

Mutig handeln – Eine Führungsqualität, die Sie als Führungskräfte mitbringen müssen, ist Mut. Ja, Mut ist eine entscheidende Eigenschaft, wenn man als Führungskraft andere anleitet. Es geht darum, mutig voranzuschreiten, die Fahne in der Hand zu halten und vorneweg zu gehen. Ferner sich darüber bewusst zu sein, dass man sich als Führungskraft auch Risiken zu stellen hat. Diese führen in der Konsequenz zu harten Entscheidungen und manchmal sind diese für Mitarbeiter unpopulär. Wichtig dabei ist jedoch, dass Sie nicht Ihre persönlichen Überzeugungen, Ihre persönlichen Werten, Idealen und Führungsprinzipien dafür preisgeben.

Mut eigen und konsequent handeln

Es ist immer wieder beobachtbar, dass Führungskräften der Mut gefehlt hat, die Entscheidung zu treffen, die aus unternehmerischer Sicht nötig gewesen wäre.  Denken Sie an den Fall der Führungskraft, die einen Mitarbeiter, der in der Probezeit schon mehrere schwerwiegende Fehler begangen hat, nicht kündigt. Selbstverständlich ist es immer ein Prozess des Abwägens, ob ein Mitarbeiter im Unternehmen bleiben soll oder nicht. Sie als Verantwortlicher wissen meist schon selbst, dass es dauerhaft keinen Sinn macht diesen Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Dann hilft es auch nichts, den betreffenden Mitarbeiter an einen Ihrer Kollegen weiterzuempfehlen, nur um ihn selbst loszuwerden. Damit beginnt im Unternehmen die Karriere eines ‚Wanderpokals’.

Wenn Mut fehlt

Warum wird so gehandelt? Der Führungskraft fehlt der Mut, dem Mitarbeiter in die Augen zu sehen und zu sagen, dass er oder sie tolle Fähigkeiten besitzt, aber offensichtlich in Bereichen, in denen das Unternehmen nicht tätig ist. Führungskräfte sind in erster Linie ihrem Unternehmen, dann ihrem Team und erst dann einzelnen Mitarbeiter verantwortlich und nicht umgekehrt.

„Nicht, weil die Dinge unerreichbar sind, wagen wir sie nicht, weil wir sie nicht wagen, bleiben sie unerreichbar“ (Lucius Annaeus Seneca)

Echte Führungskräfte handeln anders

Echte Führungskräfte handeln anders. Lassen Sie mich Ihnen an dieser Stelle den Fall einer Direktorin einer deutschen Privatbank erzählen. Sie hatte eine neue Abteilung übernommen. Es stellte sich heraus, dass eine Mitarbeiterin sich offensichtlich nicht im Team integrieren wollte. Sie war zwar schon seit etwa 20 Jahren im Unternehmen und glaubte aufgrund Ihrer guten Bekanntschaft mit dem Personalleiter, eine Sonderstellung zu genießen: Sie bearbeitete nur einige wenige, ihr genehme Aufgaben und selbst diese nicht ohne Mangel.

Die Abteilungsleiterin musste ihr aufgrund eines ernsten Vorfalls eine Abmahnung erteilen. Interessanterweise verstand die Mitarbeiterin dies als Aufforderung gegen Ihre neue Chefin mobil zu machen, woran sich die anderen Mitarbeiter im Team jedoch nicht beteiligten. Nachdem die Direktorin das mitbekam, nahm sie die Herausforderung an und legte sich, wie sie sagte ‚auf die Lauer’. Die Direktorin zeigte Durchhaltevermögen und gab der Mitarbeiterin eine weitere Abmahnung. Ihr erging es so, wie es jeder Führungskraft in so einer Situation ergeht: Sie dachte einen Moment nach und wägte ab, ob das so richtig war und die Antwort war: ‚Ja’. Danach kündigte die Mitarbeiterin und verließ die Bank. Das Thema hatte sich nur durch das mutige und konsequente Verhalten der neuen Chefin gelöst.

Handeln Sie couragiert

Das ist ein gutes Beispiel für couragiertes Handeln. Hier hat sich die Führende nicht hinter einem Sicherheitsbedürfnis und Bequemlichkeit versteckt. Sondern hat aktiv und mutig gehandelt und durchgehalten. In der Retrospektive, ein Jahr später, sagte die Führungskraft, dass es genau das Richtige war, sich so zu verhalten. Sie reiht sich damit unter die ein, die tatsächlich geführt haben und ihrer Führungsaufgabe nachgekommen sind. Als interessante Frage bleibt, warum nicht schon der vorherige Chef oder der Chef davor aktiv geworden sind.

Um den nötigen Mut zu zeigen und Entscheidungen nicht auf die lange Bank zu schieben oder ganz zu vermeiden, ist es hilfreich, sich selbst ein Zeitlimit zu setzen.

Entscheidungen mutig treffen

Notieren Sie Probleme, die eine Entscheidung von Ihnen verlangen. Legen Sie, ebenfalls schriftlich, eine ausreichende Bedenkzeit fest. In dieser Zeit können Sie verschiedene Möglichkeiten zur Entscheidung und ihre Risiken abwägen beziehungsweise das zur Entscheidung nötige Sachwissen einholen. Und dann: Entscheiden Sie!

Aber setzen Sie die Spanne nicht zu großzügig, auch nicht bei unangenehmen Entscheidungen … manchmal ist keine Entscheidung auch eine Entscheidung – dann aber keine, bei der Sie als Führungskraft eine Glanzleistung vollbracht hätten.

Jeder Leader will geliebt werden

Jeder Leader hat ein mehr oder weniger ausgeprägtes Bedürfnis, von seinen Mitarbeitern geliebt zu werden und etwaigen Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen. Doch es geht nicht darum, um der Sympathie willen notwendigen unangenehmen Entscheidungen auszuweichen. Es geht vielmehr darum, wirkungsvoll und mutig zu handeln. Das unterscheidet einen echten Leader von einer „Möchtegern“-Führungskraft.

Checkliste: Mut entwickeln

Mut und Courage in Ihrem Führungshandeln zeigen Sie, wenn Sie:

o  die Wahrheit sagen. Legen Sie die Fakten auf den Tisch und machen Sie sich für eine Kommunikation der Wahrheit stark. Das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter erhalten Sie sich nur, wenn Sie offen aussprechen, was sowieso jeder ahnt.

o  Zuversicht verbreiten. Gerade in schwierigen Phasen der Unternehmensentwicklung ist es wichtig, dass Sie Mut und Zuversicht ausstrahlen. Sprechen Sie positiv, machen Sie Mut und seien Sie über Ihr Auftreten der Fels in der Brandung.

o  An sich selbst und das, was Sie tun, glauben. Nur wenn Sie von sich selbst überzeugt sind, werden Ihre Mitarbeiter an Sie glauben und sich Ihrer Führung anvertrauen. Ihre Überzeugung drückt sich auch in Ihrer Körperhaltung aus.

o  Konsequent handeln. Erklären Sie Ihren Mitarbeitern die Notwendigkeit von Entscheidungen genau und handeln Sie dann dementsprechend.

o  Mutig entscheiden. Schreiben Sie das Problem auf, das eine Entscheidung von Ihnen verlangt, und setzen Sie sich ein Zeitlimit für die Entscheidung. Und dann: Entscheiden Sie!

Wenn Sie als Leader über Ihre Persönlichkeit Sicherheit und Zuversicht vermitteln und mutig auftreten, bestärkt das Ihre Mitarbeiter und gibt Ihnen die nötige Basis für Akzeptanz und Vertrauen als Führungskraft.

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist als international bekannter Managementberater, Trainer und Coach für Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte tätig. Er vertrat eine Professur für Management, verfügt über langjährige Führungserfahrung, u. a. als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Speaker ist er ein gefragter Management- und Führungsexperte.

Mehr Informationen unter: Hettl Consult