Ihr Schreibtisch gibt Einblicke

Ihr Schreibtisch gibt Einblicke – Ihr Schreibtisch gibt Einblicke – Einer der berühmteste Schreibtisch aller Zeiten, steht im Oval Office. Iim Büro des amerikanischen Präsidenten. Dieser wird als „Resolute Desk“ bezeichnet. Er stammt aus dem Holz des ursprünglich britischen Polarforschungsschiffs HMS Resolute. Das 1879 hergestellt wurde. Und seit 1880 sitzt jeder US-Präsident an diesem imposanten und massiven Tisch.

Dieser Schreibtisch kann sicher interessante Geschichten erzählen. Es wurden auf ihm wichtige Entscheidungen vorbereitet und unterzeichnet, wie Kriegserklärungen, Handelsabkommen und Friedensverträge. Kein Präsident ohne „Resolute Desk“, da würde etwas Wichtiges fehlen.

Immer weniger barocke Schreibtische 

Es galt lange Zeit die Regel, je mächtiger eine Person, desto größer und beeindruckender der Schreibtisch. Napoleon Bonaparte zum Beispiel hatte einen drei Meter langen Tisch im Boulle-Stil. Dort konnte er seine Strategien für Schlachten an großen Karten hervorragend planen. Der Schreibtisch war für den Kaiser entsprechend mit Gold verziert.    

Die meisten Chefs und bekannte Amtsinhaber legen heutzutage nur noch bedingt Wert auf einen imposanten Schreibtisch. Die Ausnahme bilden russische Präsidenten, orientalische Herrscher oder afrikanische Diktatoren. Chefs in großen Unternehmen halten es tendenziell eher schlicht aber sind da oftmals genauso selektiv wie Napoleons bei Besuchern. Diese durften sich angeblich nur bis zu einem speziellen Sessel nähern, der eineinhalb Meter vor der Tischplatte stand. 

Schreibtisch als Hoheitsbereich

In früheren Jahren waren Schreibtische vielfach auch Hoheitsbereich. Da wagte sich niemand ungefragt hinter den Tisch seines Vorgesetzten. Selbst bei guten Kollegen fühlt man sich wie ein Eindringling. Grundsätzlich gehört zum guten Ton, dass man vorher fragt, ob man einen Blick auf den Schreibtisch werfen darf.  

Neben Form und Größe eines Schreibtisches ist meist viel interessanter was sich auf der Tischplatte so alles stapelt bzw. dort liegt. Neben Stapeln Papier, die sich dort finden, reflektiert dieser auch viel über die Persönlichkeit und Vorlieben des Schreibtischnutzers. Da finden sich neben Stiften, Computer und Telefon auch private Stücke, wie Fotos, Glücksbringer, Urlaubsmitbringsel, Pflanzen, Motivationssprüche und vieles mehr. Das sagt schon einiges über den Schreibtischbesitzer aus. 

Volltischler und Hochstapler

In der Betriebspsychologie Kennt man einen „Volltischler“. Also eine Person die zuviel auf dem Schreibtisch stapelt. Duese tut sich  grundsätzlich schwer Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen. Laut einer repräsentativen Untersuchung der Büroartikelfirma Staples kann ein chaotischer Arbeitsplatz tatsächlich ein Karrierekiller sein.

Immerhin vier Fünftel aller befragten Geschäftsführer größerer Unternehmen in Deutschland sagten, dass sie einen direkten Zusammenhang zwischen Ordnung auf dem Schreibtisch und der Produktivität vermuten. Dahinter steckt ein Klischee: Wer unordentlich an seinem Arbeitsplatz ist, hat auch Chaos im Kopf, mit all seinen negativen Folgen. Wenn sich auf Ihrem Schreibtisch Aktenberge türmen und Ordner stapeln, Ihr Bildschirm von Merkzetteln und Post-it Notes fast nicht mehr zu sehen ist, dann sagt das vor allem etwas über Sie aus. Die Schlussfolgerung ist: Hier arbeitet jemand, der weder strukturiert noch ehrgeizig ist und das Chaos mag bzw. nicht dagegen unternimmt.

Chaos auf dem Schreibtisch = hohes Arbeitsaufkommen

Oftmals wird Chaos auf dem Schreibtisch mit einem hohen Arbeitsaufkommen oder sogar mit Genialität in Verbindung gebracht. Einige Arbeitnehmer sind sogar der Meinung, ein aufgeräumter, ordentlicher Schreibtisch würde bei Vorgesetzen auf geringe Auslastung zurückgeführt werden.

Ob jemand wirklich Ordnung hält, fällt heutzutage schneller auf, weil prinzipiell weniger auf den Schreibtischen liegt. Die meisten Accessoires sind entweder obsolet oder wurden in Computerprogramme integriert. So gibt es fast keine Stempelkissen, Adressen-Rollkartei, Analoguhr und Taschenrechner mehr. Diese sind von den Tischen verschwunden. Was früher greifbar sein musste, ist heute durch die Tastatur im PC erreichbar. Als Statussymbol kann heute allenfalls der Computer gelten, weniger die Tischplatte auf dem er steht. 

Leere Schreibtische auf der Chefetage

Die mächtigsten und vielbeschäftigsten Manager und Führungskräfte in Wirtschaft und Politik haben stets leere Schreibtische. Leitz-Ordner und Zettelwirtschaft auf Dieter Zetsches Tisch, dem Chef von Mercedes? Bunte Post-its und Akten auf Präsident Steinmeiers Arbeitstisch? Das ist undenkbar. Dafür haben diese Assistenten und Referenten (und deren Tische). Die meisten Schreibtische von Politiker und Topmanagern sehen auffallend gleich aus: groß, sauber und leer. Das soll allerdings nicht unbedingt heißen, dass jeder Arbeitsplatz so aussehen soll. Aber jeder Schreibtisch sendet eine Botschaft über den Schreibtischinhaber.  

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Untersuchungen von Kathleen Vohs, Professorin an der Universität von Minnesota. Ihre Studie lässt sich verkürzt auf den Nenner bringen: „Zeige mir deinen Schreibtisch, und ich zeige dir, wie du arbeitest“. 

Schreibtischexperimente

In ihren Büroexperimenten teilte sie knapp 300 Freiwillige jeweils in zwei Räume auf. Die einen saßen in einem ordentlichen, sauberen Bürozimmer. Der Schreibtisch war blank geputzt und leer, der Boden sauber. Die anderen befanden sich in einem unordentlichen Büro. Dort war der Schreibtisch voller Unterlagen, Paper lag kreuz und quer, Ordner stapelten sich aufeinander. 

Im ersten Versuch sagte Vohs den 34 Freiwilligen, dass diese für ihre Teilnahme drei Dollar erhalten würden. Im Anschluss lenkte sie die Probanden zehn Minuten gezielt ab. Der Sinn der Sache: Jeder sollte die Umgebung deutlich wahrnehmen. Im Anschluss fragte Vohs, ob die Teilnehmer Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation spenden würden. Und wenn ja, wie viel. Sehr interessant war, dass sich die Umgebung erheblich auf die Spendierfreude auswirkte.

Ordentlicher Schreibtisch spendet mehr

Die Teilnehmer aus dem Chaoszimmer spendeten im Schnitt nur 1,17 Dollar. Jene aus dem aufgeräumten Büro hingegen 2,95 Dollar. Auch war unter den Letzteren die Großzügigkeit weiter verbreitet. Von ihnen spendeten 82 Prozent. Die andere Gruppe gab nur zu 47 Prozent etwas ab.

Bevor die Freiwilligen den Raum verließen, konnten sie noch entscheiden, ob sie lieber einen Apfel oder einen Schokoriegel wollten. Und auch hier entschieden sich 67 Prozent der Probanden aus dem ordentlichen Zimmer für eine gesunde Frucht. In der anderen Gruppe entschieden sich 80 Prozent für die ungesunde Süssigkeiten. Offenbar treffen Menschen in einer ordentlichen Umgebung gesündere Entscheidungen, auch verhalten sie sich dort gemeinnütziger und großzügiger. 

Führungskräfte und Ihre Schlussfolgerungen 

Laut einer repräsentativen Untersuchung der Büroartikelfirma Staples kann ein chaotischer Arbeitsplatz tatsächlich ein Karrierekiller sein. Immerhin vier Fünftel aller befragten Geschäftsführer größerer Unternehmen in Deutschland sagten, dass sie einen direkten Zusammenhang zwischen Ordnung auf dem Schreibtisch und der Produktivität vermuten.

Zusätzlich wurden auch 500 Führungskräfte befragt, welche Schlüsse sie aus dem Zustand der Schreibtische auf deren Besitzer ziehen. 70 Prozent des Topmanagements bevorzugten Mitarbeiter, deren Schreibtisch ordentlich und aufgeräumt ist. 55 Prozent der befragten Manager gaben ab, dass Sie einen chaotischen Schreibtisch mit einer unzuverlässigen, amateurhaften und unaufmerksamen Arbeitsweise verbinden.

Insgeheim werden wohl von vielen Führungskräften auch Entscheidungen über das Karrierepotenzial eines Mitarbeiters anhand des Eindrucks, den sie von seinem Schreibtisch haben, getroffen.

Wer aufsteigen möchte, sollte also ruhig mal überlegen, wie der eigene Schreibtisch zum gewünschten eigenen Image im Unternehmen passt. Was sagt Ihr Schreibtisch über Sie aus?

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist als international bekannter Managementberater, Trainer und Coach für Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte tätig. Er vertrat eine Professur für Management, verfügt über langjährige Führungserfahrung, u. a. als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Speaker ist er ein gefragter Management- und Führungsexperte.

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