Gewohnheiten – Schlüssel zum Erfolg

Gewohnheiten – Schlüssel zum Erfolg: Gewohnheiten zu verändern, hört sich einfacher an als es in der Praxis manchmal ist. Sitzen Sie auch zu lange vor dem PC, lassen Sie von Kollegen von Ihrer Arbeit ablenken oder greifen Sie in der Mittagspause immer wieder zu Pommes und Currywurst, obwohl Sie . es besser wissen. Diese Gewohheiten haben Sie sich sicher schon versucht abzugewöhnen.

Es gibt interessante Erkenntnisse aus der Gehirnforschung, die Ihnen helfen, Ihre Gewohnheiten zu verändern bzw. ganz loszuwerden. 

Automatismus Gewohnheiten

Gewohnheiten geben uns in vielen Fällen die nötige Routine und Sicherheit und helfen uns den komplexen Alltag zu bewältigen. Am Morgen putzen Sie sich wie automatisch Ihre Zähne und fahren dann ohne groß nachzudenken in die Arbeit. Dort holen Sie sich erst mal Ihren Morgenkaffee. Diese Automatismen sind in vielen Fällen auch praktisch und hifreich. Stellen Sie sich vor, Sie müssten jedemal bewußt nachdenken, wie war das mit der Gangschaltung oder wie putze ich mir die Zähne. Das wäre ungewohnt und lästig. Gewohnheiten geben Sicherheit. 

Gehirnforscher haben entdeckt, dass es im gerhin einen Bereich gibt, in dem Gewohnheiten abgespeichert werden. Sie nennen diese die Basalganglien. Dieser Bereich ist dafür verantwortlich, dass wir uns bei routinierten Aktivitäten in den Autopilot begeben. Die herausfoderung ist, dass wir mit unserer bewußten Absicht nicht auf die Basalganglien zugreifen können, da dieser Bereich unseres Gehirns unserem bewussten Willen nur schwer zugänglich ist. Die Gewohnheit ist hartnäckig und hält uns von Änderungen zurück. 

Achtung Gewohnheiten

Man kann also sagen die Basalganglien haben das Kommando. Dieses reagiert auf bestimmte Auslösereize und sorgt dann dafür, dass unser gewohnheitsmäßiges Handeln in Gang gesetzt wird. Achtung die Gewohnheit bestimmt über Sie.

Die gute Nachricht ist, Sie haben gewohnheitsmäßige Verhalten irgendwann einmal gelernt. Wiederholten Sie das Verhalten häufiger, dann wird es zur Gewohnheit. Dass Sie nicht bewusst auf Ihre gewohnheitsmäßigen Prozesse in den Basalganglien zugreifen können, bedeutet, dass es für Sie schwierig ist, sich etwas abzugewöhnen.

Gewohnheiten loswerden

Wenn Sie alte Gewohnheiten durch neue ersetzen wollen, müssen Sie diese durch neue Gewohnheiten überlagern. Dazu muss ein neues Verhalten mit dem alten Auslöser verknüpft werden und möglichst gut das gleiche Bedürfnis erfüllen, das bisher mit der alten Gewohnheit befriedigt wurde. Zum Beispiel statt Computer zu spielen, wenn Sie sich alleine fühlen, rufen Sie einen Freund an, anstatt wie vorher, vor dem PC zu sitzen.

Das klingt jetzt erst einmal etwas theoretisch, da Sie wahrscheinlich auch schon festgestellt haben, dass sich Gewohnheiten eben nicht so einfach ändern lassen. Natürlich ist es nicht so einfach, das Computerspielen bleiben zu lassen und stattdessen einen Freund anzurufen.

Achtung Basalganglien

Der Grund dafür ist, dass unsere Gewohnheiten ja automatisch ablaufen. Dadurch merken wir oftmals erst, wenn es schon zu spät ist, dass wir uns wieder wie gewohnt verhalten. Man sitzt dann z. B. vor dem Computerspiel, ehe man es sich versieht oder die halbe Chipstüte ist bereits verputzt, bevor es Ihnen bewusst wird. Der Auslöser war da und dann läuft diese wie automatisch ab, ohne dass Sie einen willentlichen Zugriff darauf haben. Da sind sie wieder die Basalganglien.

Die Lösung hierfür ist, dass Sie sich Ihrer Verhaltensmuster bewusst machen. Denn nur so können Sie aktiv eingreifen und unser Verhalten verändern. Dazu helfen Ihnen die folgenden Schritte:

Schritt 1: Gewohnheit, die Sie loswerden möchten, benennen

Treffen Sie die Entscheidung, welches Ihres gewohnheitsmäßiges Verhalten Sie gerne loswerden möchten, z. B. die Unpünktlichkeit bei Besprechungen ablegen. 

Schritt 2: Auslöser identifizieren

Finden Sie heraus, wodurch dieses Verhalten ausgelöst wird. Fragen Sie sich dazu:

  • was passiert, unmittelbar bevor Sie die Gewohnheit ausführen?
  • Woran denken Sie, bevor Sie sich wieder automatisch verhalten? 
  • In welchen Situationen tritt diese Gewohnheit auf?

Beispiel: Unpünktlichkeit bei Besprechungen => wenn Sie zu viele Aufgaben habe und es zu stressig wird. Vielleicht erkennen Sie im ersten Moment nicht, was genau Ihr Verhalten auslöst. Das ist völlig normal, weil es ja gewohnheitsmäßig abläuft und Ihnen meist nicht bewusst ist.

Da hilft es Ihnen, wenn Sie sich selbst einige Male bei Ihrem gewohnheitsmäßigen Verhalten beobachten. Vermutlich wissen Sie, in welchen Situationen Sie sich gewohnheitsmäßig verhalten. Nur der genaue Auslöser ist Ihnen noch nicht bewußt. Werden Sie sich also ganz klar darüber, was der Auslöser ist. Dieser muss Ihnen konkret bewusst sein, dass Sie dann die neue Gewohnheit noch besser auf den Auslöser abstimmen können. 

Um bei dem Beispiel mit dem zuspät Kommen zu bleiben, stellen Sie fest, dass Sie immer bei einen bestimmten Meeting zu spät kommen, das durch einen konkreten Kollegen durchgeführt wird. Hier kommt es oft zu schwierigen Situationen. Dann ist das der konkrete Auslöser.

Schritt 3: Auslöser bewußt wahrnehmen

Als Nächstes geht es darum, dass Sie lernen, den konkreten Auslöser bewußt wahrzunehmen. Sie erinnern sich, unsere Basalganglien spielen hier wieder mit. Die Auslöser nehmen wir oft gar nicht bewusst wahr, weil unsere Gewohnheiten ja bereits automatisch ablaufen. Damit Sie eine neue Gewohnheit etablieren können, ist es jedoch wichtig, zu registrieren, wann Ihr gewohnheitsmäßiges Verhalten ausgelöst wird.

Wie nehmen Sie bewusst die Auslöser für Ihre ungeliebten Gewohnheiten wahr? Ein erster Schritt besteht darin, dass Sie achtsamer werden und sich erst einmal nur darauf zu konzentrieren, die Auslöser zu erkennen und bewusst wahrzunehmen. Ohne dass Sie Ihr Verhalten gleich verändern wollen.

Um die Auslöser besser wahrzunehmen, macht Sie sich die Auslöser am besten „sichtbar“ oder „fühlbar“. Das lässt sich gut verwirklichen, wenn Sie mit dem Auslösereiz eine Handlung verbinden. Sie können z. B. eine Strich auf Ihrer Strichliste machen, wenn Sie auf Ihre Gewohnheit erkennen.

Nehmen Sie Ihre Auslösereize mehrere Tage auf. Ideal ist eine Woche lang So stellen Sie fest, wann sich Ihr gewohnheitsmäßiges Verhalten in Gang setzt. Wenn Sie diese Übung längere Zeit durchführen, wird Ihnen das gewohnheitsmäßige Verhalten immer bewusster.

Schritt 4: Herausfinden was hinter dem Verlangen steckt

Im nächsten Schritt geht es darum, das Bedürfnis, das Sie mit der Gewohnheit befriedigen wollen, herauszufinden. Beobachten Sie sich beim Ihrem gewohnheitsmäßigen Verhalten. Fragen Sie sich, welches Verlangen Sie in der jeweiligen Situation stillen möchten.

Fragen Sie sich:

  • warum tun Sie das, was Sie gerade tun?
  • was erhalten Sie, wenn Sie Ihre Gewohnheit ausführen?
  • was würde Ihnen fehlen, wenn Sie sich nicht so verhalte, wie Sie es gewohnt sind?

Bei der Besprechnung geht es Ihnen vielleicht darum, dass Sie immer gut vorbereitet sein möchten oder dass Sie eine Besprechung in harmonischer Runde führen möchten.

Schritt 5: Neue Gewohnheit finden

Damit sich Ihre neue Gewohnheit auch umsetzen, ist es besonders wichtig, dass Sie eine Handlung finden, die das gleiche Verlangen stillt, wie die ursprüngliche Gewohnheit. Dies gehört mit zum Kniffligsten, wenn Sie alte Gewohnheiten loswerden wollen. Weil Sie oftmals gar nicht so leicht darauf kommen, wie Sie Ihr Bedürfnis auch noch auf andere Weise befriedigen könnten.

Fragen Sie sich:

  • wie könnten Sie das Verlangen noch befriedigen?
  • wie gehen andere mit diesem Bedürfnis um? 
  • welche Handlungen gibt es in Ihrem Leben schon, mit denen ich dieses Bedürfnis befriedige?

Und entscheiden Sie sich dann für eine neue Gewohnheit, die Sie statt der alten Gewohnheit machen. So gilt bei unserem Besprechungsbeispiel, dass Sie ein Bedürfnis nach Ordnung haben. Hierzu können Sie Ihren Schreibtisch ordentlich aufräumen oder die Regale in Ordnung bringen.

Schritt 6: Konsequenter Beginn mit der neuen Gewohnheit

Wenn Sie Ihre Auslösereize zuverlässig registrieren, beginnen Sie damit, die neue Gewohnheit einzuüben. Dazu müssen Sie in dem Moment, wenn sie einen Auslösereiz registrieren, sich bewusst für das andere Verhalten entscheiden.

Das ist mit das Schwierigste, wenn Sie eine neue Gewohnheit etablieren möchten. Der Schritt zu der neuen Gewohnheit fällt Ihnen aber umso leichter, je besser diese neue Gewohnheit Ihr Verlangen, das Sie mit der alten Gewohnheit gestillt haben, erfüllt.

Zuvor müssen Sie ggfs. noch aktiv werden, damit Sie möglichst ohne Widerstände mit Ihrer neuen Gewohnheit starten können. Besorgen Sie sich für Ihren Schreibtisch eine schöne Schreibtischunterlage, Sortierfolien, Ablagekörbe ect. 

Wenn Sie merken, dass es Ihnen nicht gelingt, das gewohnte Verhalten durch Ihr neues Verhalten zu ersetzen, frage Sie sich:

  • welche Auslösereize könnte es noch geben?
  • muss ich noch besser lernen, die Auslöser wahrzunehmen, und mir dafür vielleicht noch ein wenig Zeit nehmen?
  • gibt es noch andere Bedürfnisse, die durch die alte Gewohnheit befriedigt werden, die ich bei der neuen Gewohnheit nicht berücksichtigt habe?
  • wie könnte mein Bedürfnis, das durch die alte Gewohnheit befriedigt wird, durch eine neue Gewohnheit noch besser erfüllt werden?

Und wenn Ihnen keine weiteren Ideen einfallen, welche Auslöser es noch geben könnte oder wie Sie ein Bedürfnis noch auf andere Weise befriedigen können, frage Sie vielleicht einen wohlmeindenden Kollegen. Oftmals kommen dabei sehr gute Ideen heraus, auf die Sie selbst gar nicht gekommen wären. 

Sicher ist es nicht einfach, seine Gewohnheiten loszulassen, aber es kann Sie einen großen Schritt voranbringen. Es lohnt sich, dass Sie sich an dieser Stelle aufmerksam beobachten und den Versuch wagen, eine neue, erfolgsbringende Gewohnheit zu etablieren.

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist als international bekannter Managementberater, Trainer und Coach für Vorstände, Geschäftsführungen und Führungskräfte tätig. Er vertrat eine Professur für Management, verfügt über langjährige Führungserfahrung, u. a. als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie auch international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Speaker ist er ein gefragter Management- und Führungsexperte.

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