Agile Führung

Agile Führung: Man hört in Unternehmen in zunehmenden Maße die Formulierung “Wir müssen agiler werden!“ Der Ruf kommt von Vorständen und der Geschäftsführung. Das Thema Agilität steht ganz oben auf der Managementagenda.

Agile Führung – bitte Umsetzen schallt es von der obersten Managementebene an die damit überforderten Personalabteilungen. Die Flut an Veranstaltungen, die Sie hierzu angeboten bekommen ist groß. Vor ca. zwei Jahren hatte das google keyword „Agiles Management“ mehr Treffer als der traditionelle Ansatz des „Management by objektives“. Jedoch verbirgt sich hinter Agiler Führung bzw. Agilen Management kein Managementansatz, wie beim Management by Objektives. Was im Kern damit gemeint ist, lässt sich zwar beschreiben, ist aber kein ultimatives Konzept. Und schon gar nicht eine ultimative Antwort auf die momentanen Herausforderungen im Management.

Agile Führung eine Denkhaltung

Unter der Klammer einer zunehmenden Dynamik und Komplexität ist agile Führung nicht neu. Sondern es fasst viel bisher bekanntes Managementwissen zusammen. Agile Führung ist komplex und unterstützt Mitarbeiter dabei, zielgerichtet und unmittelbar sich auf die schnell wechselnden Bedürfnisse der Kunden einzustellen. Daher geht es beim agilen Führen eher um eine Denkhaltung von Führungskräften und Mitarbeitern. Das heißt flexibel und gemeinsam, mit entsprechenden Werkzeugen, die Komplexität zu managen.

Der Begriff der Agilität im Management nicht neu. Schon vor über 50 Jahren erkannten Management-Vordenker, dass die Komplexität zunehmen wird. Und schlussfolgerten, das damit die Steuerbarkeit von Unternehmen schwieriger werde. Begriffe wie Dynaxity finden sich in der neueren Managementliteratur wieder, um die aktuelle Herausforderung zu beschreiben. Agile Führung ist eine Denkweise und Handlungslogik, die den Mitarbeiter, das Team, die Unternehmenskultur und den situativen Kontext betrachtet. Dabei werden für die Herausforderungen individuelle Ansätze aber keine pauschalen Lösungen gesucht.

Agile Führung = flexibel

Agile Führung heißt also sich flexibel auf Veränderungen einzustellen und auf diese schnell zu reagieren. Hier gewinnt die eigene Selbstorganisation und die des Teams insgesamt zunehmender Bedeutung. Er geht auch darum auf Managementebene den Rahmen dafür zu schaffen, dass Individuen und Teams schneller agieren und reagieren können. Dies stellt Unternehmen vor Herausforderungen, da es keine einfachen Lösungen, allenfalls unternehmensindividuelle gibt. Auch lässt sich ein agiler Mindset nicht über Nacht verordnen. Manche Unternehmen versuchen das agile Momentum in ihre bestehenden Systeme zu integrieren. Es geht jedoch mehr um einen grundlegenden Kulturwandel. Dieser muss etabliert und step-by-step, das Unternehmen nicht überfordernd, eingeführt werden.

Agilität bringt auch neue Verfahren in der Vorgehensweise mit sich. Sogenannte Frameworks, die beschreiben, wie Aufgaben und Prozesse ablaufen. Ein Beispiel hierfür ist Scrum, das insbesondere im agilen Projektmanagement eingesetzt wird. Zudem Holocraty, was ein agiles Rahmenwerk für die ganze Firma schafft. Dabei ist nicht die Position sondern die Rolle entscheidend. Agiler Führung liegen damit Werte und Prinzipen zugrunde. Ein Team wird sich nur dann agil und selbstorganisiert aufstellen können, wenn respektvoll miteinander umgegangen wird. Respekt ist ein zentraler Wert in allen agilen Unternehmen. Das ist auch die Kernerkenntnis von Googles „Project Aristoteles“.

Agile Teamführung hat die Zielrichtung die Selbstorganisation zu unterstützen und sich selbst überflüssig zu machen. Sie ist darauf an- und ausgelegt, eine fruchtbare Zusammenarbeit zu initiieren und sicherzustellen. Agile Führung bietet Motivation, Hilfe zur Selbsthilfe, Unterstützung bei der Konzentration auf Aufgaben und liefert Sparringpartnerschaft. Diese Form der agilen Führung ist gerade bei hoch entwickelten Teams wirksam und hilft Potenziale freizusetzen.

Agile Führung vs. „Order du Mufti“

Agiler Führen Sie dann, wenn Sie Teams zu mehr Selbstorganisation anstiften und agile Werte wie Respekt, Kommunikation, Mut und Fokus fördern. Sehen Sie agiles Führen nicht als Revolution sondern mehr als Evolution. Es geht nicht darum, das gleiche Vorgehen für alle einzuführen, sondern Agilität als eine Konzept zu verstehen, das unterschiedliche Intensitätsstufen erreichen kann.

Entscheidend ist dabei die gelebte Führungs- und Unternehmenskultur. Der Weg von der „Order de Mufti“-Führung in Richtung agile Selbstorganisation ist fraglos weiter als der Weg von einer kooperativen Führung hin zu agilen Strukturen. Auch die Selbstorganisation hat verschiedene Stufen. Suchen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern den für Sie richtigen Weg hin zum agilen Unternehmen.

Über den Autor:

Dr. Matthias Hettl ist  international bekannter Managementberater. Vorstände, Geschäftsführer und Führungskräfte trainiert und coacht er. Dr. Hettl vertrat eine Professur für Management und verfügt über langjährige Führungserfahrung. Er arbeitet als Aufsichtsrat, Geschäftsführer sowie international als Consultant bei den Vereinten Nationen. Als renommierter Speaker ist er ein gefragter Management- und Führungsexperte.

Mehr Informationen unter: Hettl Consult